Renate Schmidt

Failed State Südsudan?

Mitte Dezember 2013 kam es in der südsudanesischen Hauptstadt Juba zu Auseinandersetzungen innerhalb der militärischen Kräfte. Staatspräsident Salva Kiir beschuldigte sofort seinen Vizepräsidenten Riek Machar, einen Putsch gegen ihn initiiert zu haben, und ließ unliebsame Politiker verhaften. Tausende Südsudanesen flohen in die Friedensmission der UN in Juba, schnell weiteten sich die Kämpfe auf andere Landesteile, vor allem die Bundesstaaten Jonglei, Unity und Upper Nile, aus, wo es zur panikartigen Flucht der Bevölkerung kam.

Im Wesentlichen geht es in den Auseinandersetzungen um die interne Machtverteilung. Wer die Macht hat, kontrolliert die enormen Erdölvorräte und hat Zugriff auf die Gewinne daraus – immerhin ca. neun Milliarden US-Dollar, bei einem BIP von 15 Milliarden US-Dollar und einer Geberfinanzierung von einer Milliarde US-Dollar pro Jahr (Weber 2013). Die Korruption ist erschreckend hoch. Hinzu kommen ethnische Konflikte, die historisch gewachsen sind, extreme Situationen in der Vergangenheit hervorriefen und auch heute noch, nach der Erringung der Staatlichkeit, immer wieder auflodern. Das heißt, der Machtkampf um den Präsidenten eskalierte militärisch und nahm ethnische Dimensionen an – hier konkret in der Auseinandersetzung zwischen den beiden größten Ethnien, den Dinka und Nuer.

Vermittler der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD brachten Anfang 2014 Vertreter der gegnerischen Parteien an den Verhandlungstisch in Addis Abbeba. Es wurde ein Waffenstillstand vereinbart, obwohl der Konflikt zeitgleich militärisch zugunsten der Kiir-Kräfte innerhalb der regulären südsudanesischen Armee SPLA entschieden wurde, nachdem Kiir Unterstützung aus der ugandischen Armee erhalten hatte. Der ausgehandelte Waffenstillstand hält zwar weitgehend, es kommt aber oft zu Verstößen, für die beide Gruppen sich gegenseitig beschuldigen. Damit scheinen weitere Auseinandersetzungen vorprogrammiert zu sein, zumal den Verhandlungsvertretern die Autorität fehlt, den erzielten Kompromiss auch durchzusetzen.

Der Konflikt im Südsudan ist umso gravierender, da er die regionale Sicherheit in Ost- und Zentralafrika tangiert, die durch die Entwicklungen im Kongo und vor allem die bürgerkriegsartigen Eruptionen in der Zentralafrikanischen Republik ohnehin sehr fragil ist. Im Folgenden werden die diesen jüngsten Ereignissen vorausgehenden Entwicklungen des Südsudans analysiert. Es zeigt sich: Die Zukunft des Landes ist ungewiss bis düster.

Bibliographische Angaben und Pressemitteilung

WT-Spezial 12
Renate Schmidt
Failed State Südsudan?
WeltTrends, Potsdam 2014
ISBN 978-3-941880-81-8
ISSN 2193-0627

24 Seiten / E-Book im PDF-Format

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