Heinz Theisen (Hrsg.)
Was wird aus dem Westen?
Gedanken zur Zukunft des Abendlandes
Die kulturelle Inkompatibilität zwischen der islamischen und der westlichen Welt beruht auf dem Widerspruch zwischen holistischen und ausdifferenzierten Ordnungsvorstellungen. Mittlerweile hat der Konflikt zwischen Säkularismus und religiösem Universalismus die islamische Welt selbst erreicht, am deutlichsten in Ägypten, aber auch in Palästina.
In diesem Kampf geht es nicht primär um „Demokratie“ oder „Diktatur“, sondern um die Möglichkeiten der Teilhabe an zivilisatorischen Entwicklungen, die vom religiösen Extremismus verstellt werden. Hier ergibt sich die Frage, wie weit sich der Westen in diese Prozesse einmischen sollte. Mein Vorschlag zielt auf eine westliche Doppelstrategie, die einerseits die Selbstbegrenzung des Westens im politischen und kulturellen Bereich, nicht zuletzt im Hinblick auf die eigene Selbstbehauptung, beinhaltet; die Überdehnung seiner politischen, kulturellen, militärischen und auch finanziellen Möglichkeiten hat den Westen an den Rand des Niedergangs geführt. Andererseits umfasst sie den Kampf für die Zivilisation. Die jetzt anstehende Selbstbegrenzung bedeutet nur dann den Niedergang des Westens, wenn ausschließlich in politischen Machtkategorien gedacht wird.
Autorinnen und Autoren nahmen meinen Standpunkt zum Anlass, die Frage „Was wird aus dem Westen?“ auf ihre Weisen zu beantworten. Daraus entstand eine interessante Debatte, die in dem vorliegenden Sammelband veröffentlicht ist.
Die Zivilisation gibt es im Gegensatz zu den Kulturen nur im Singular. Die monotheistischen Kulturen haben nicht nur die Aufgabe, ihre Eigenwertigkeit zu bewahren, sondern stehen auch vor der Herausforderung, nach den Codierungen zu suchen, die Entwicklungen zu einer Zivilisierung der Welt ermöglichen.
Inhalt
1. Vorwort
2. Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung des Westens
Heinz Theisen
3. Von scharfen und unscharfen Grenzen
Christoph Sebastian Widdau
4. Nicht Opfer, sondern Gestalter
Werner Weidenfeld
5. Wider den westlichen Sonderweg
Sibylle Tönnies
6. Realitäten zur Kenntnis nehmen
Ainura Asakeyeva
7. Die Grenzen des westlichen Universalismus
Heinz Theisen
8. Gegenseitigkeit und Zivilisierung der Kulturen
Heinz Theisen
Bibliographische Angaben
WT-Spezial 11
Heinz Theisen (Hrsg.)
Was wird aus dem Westen?
Gedanken zur Zukunft des Abendlandes
WeltTrends, Potsdam 2013
ISBN 978-3-941880-71-9
ISSN 2193-0627
32 Seiten / E-Book im PDF-Format
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WeltTrends 203 – Welt 21 im Umbruch
Wir leben in international turbulenten Zeiten. Allein für vergangenes Jahr verzeichnete das Stockholmer Friedensforschungsinstitut aktive militärische Konflikte in mindestens 52 Ländern; die globalen Militärausgaben erreichten einen Rekordstand von ca. 2443 Milliarden US-Dollar. Der Krieg in der Ukraine beeinflusst die außenpolitischen Konstellationen erheblich, ebenso der ausgeweitete neuerliche Krieg im Nahen Osten.
Auch dieses Heft widmet sich außen- und sicherheitspolitischen Fragen unserer Zeit. Der Bogen spannt sich von einer Bilanz des Versagens aktueller deutscher Außenpolitik, den Krieg im Nahen Osten, den „reinen Kapitalismus“ des argentinischen Präsidenten Milei bis zur Flüchtlingspolitik von EU und Türkei. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklungen in Eurasien. Dem Übergang „von der transatlantischen zur eurasisch-pazifischen Zentralität“ widmen sich Hannes Hofbauer und Andrea Komlosy, während es bei Richard Ghiasy um asiatischen Sicherheitsordnung geht. Mehrere Artikel beschäftigen sich mit dem XVI. BRICS-Gipfel in Kasan. Unser russischer Autor Sergej Birjukow und seine chinesischen Kollegen sehen in ihm die „Morgendämmerung einer neuen Weltordnung“.