Burkhardt Otto

Friedrich Engels und der Deutsche Bauernkrieg

Der deutsche Bauernkrieg war Teil jener Epochenwende, die vor einem halben Jahrtausend vom Mittelalter in die Neuzeit führte. Er war eng verzahnt mit den komplexen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, militärischen und religiös-politischen Auseinandersetzungen dieser Zeit.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Erinnerung an den Bauernkrieg von den Aktivisten neuer gesellschaftlicher Auseinandersetzungen immer wieder für ihre jeweiligen Zwecke eingesetzt. Die Schrift „Der deutsche Bauernkrieg“ von Friedrich Engels sah so in den  Bauernhaufen des sechzehnten Jahrhunderts die Vorreiter des modernen Proletariats. In der DDR wurde Thomas Müntzer als Vorkämpfer des sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates geehrt.

Burkhardt Otto zeigt in seinem Text auf, dass sich geschichtliche Ereignisse jedoch mitnichten so eindimensional interpretieren lassen. Vielmehr ordnet er den deutschen Bauernkrieg in eine Reihe von über Jahrhunderte währenden Kämpfen der Bauern für ihre Interessen ein. Diese waren eng verbunden mit den ökonomischen und politischen Entwicklungen vom Feudalismus zum Kapitalismus.

Der Autor berücksichtigt in seiner Analyse gleichermaßen die bahnbrechenden Entwicklungen dieser Zeit im Militärwesen, im Finanzsektor und nicht zuletzt auch im Buchdruck.

Selbstverständlich stellt Burkhardt Otto den deutschen Bauernkrieg auch in den Zusammenhang mit den fundamentalen religiös-politischen Auseinandersetzungen dieser Zeit,  insbesondere der Reformation. Dabei geht er jedoch über bisherige Betrachtungsmuster, wie zum Beispiel die Darstellung der gegensätzlichen Positionen von Martin Luther und Thomas Müntzer, hinaus und beschreibt anschaulich zahlreiche weitere Facetten des religiös-politischen Diskurses jener Zeit.

Wen verwundert es, dass die Nationalsozialisten die Erinnerung an den deutschen Bauernkrieg ebenfalls für ihre Zwecke missbrauchten. Burkhardt Otto verschweigt auch dies nicht.

Seine Schrift erweitert den Blick auf ein zentrales Ereignis der deutschen und europäischen Geschichte. WeltTrends hat sie deshalb sehr gern in die Reihe seiner Spezial-Hefte aufgenommen.

Inhalt

Vorwort des Herausgebers
Prof. Jürgen Angelow

Prolog: Marx und Engels in London

Die lange Geschichte bäuerlichen Aufruhrs

Die bäuerlichen Forderungen und ihre Legitimationsgrundlage

Der Deutsche Bauernkrieg

Sozioökonomischen Rahmenbedingungen im Zeitalter der Bauernkriege

Nach dem Bauerkrieg: Folgen und Wirkungen

Erinnern an den Bauernkrieg

Bibliographische Angaben und Pressemitteilung

Jürgen Angelow (Hrsg.), Burkhardt Otto
WeltTrends-Spezial 17
Friedrich Engels und der Deutsche Bauernkrieg
WeltTrends, Potsdam 2026
ISBN 978-3-949887-42-0

40 Seiten


Prof. Dr. Jürgen Angelow (Hrsg.)

geb. 1961, hat vorrangig zur Militär- und Sicherheitspolitik sowie zu militärischen Konflikten des 19. und 20. Jahrhunderts publiziert und in den letzten Jahren als Politikberater gearbeitet. Kontakt: Juergen.Angelow@t-online.de





Burkhardt Otto

Studium der Politikwissenschaft, Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaft an der Freien Universität Berlin, seit den 1980er Jahren selbständiger Unternehmensberater, Ende der 1990er Jahre Studium der Geschichte an der Universität Potsdam, seither als Unterstützer wissenschaftlicher Projekte und Exkursionen sowie als Vortragender bei Veranstaltungen mit kultur- und universalhistorischem Hintergrund tätig.


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WeltTrends 209 – Südamerika in der neuen Weltordnung

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