WeltTrends 208 – Polen und Deutschland

Wie stehen Polen und Deutschland in diesen Wendezeiten zueinander? Eine fundamentale Frage nicht nur für Polen und Deutsche.

Die Beiträge des von Jürgen Angelow herausgegeben Heftschwerpunktes bieten dazu differenzierte Einblicke. Holger Polit zeichnet den Weg Polens in den Westen nach und erinnert dabei an wichtige Meilensteine in den deutsch-polnischen Beziehungen. Stefan Garsztecki, Krzysztof Ruchniewicz und Agnieska Kudelka widmen sich verschiedenen Aspekten der Aufarbeitung der Vergangenheit im Verhältnis beider Völker und Staaten aus polnischer Sicht. Tendenziell orientieren die Autoren in Richtung einer Verantwortungspartnerschaft, in der bestehende Konflikte auch in ihrer Asymmetrie offen anerkannt und institutionell bearbeitet werden sollten. Die deutsche Wiedergutmachung nimmt hier naturgemäß einen breiten Raum ein. In der innerpolnischen Debatte spielt dabei auch die unterschiedliche Behandlung verschiedener Opfergruppen eine Rolle. Kornelia Golombek rundet den Schwerpunkt mit einer Einschätzung zur gegenseitigen Wahrnehmung von Deutschen und Polen ab.

Nicht weniger interessant sind die Beiträge im WeltBlick des Frühjahresheftes. Sie führen mitten in die weltpolitischen Entwicklungen und Konflikte der Gegenwart. Erhellende Fakten zum Iran und zum gegenwärtigen Krieg kommen von Mohssen Massarat. Raina Zimmering erörtert die Positionen Brasiliens und Mexikos in der Weltpolitik, ein Thema, das durch die Umsetzung der Donroe-Doktrin auf dem amerikanischen Kontinent eine zunehmende Bedeutung erlangt.

Steffen Niese, Koordinator der AG Cuba sí der Partei DIE LINKE, schreibt in diesem Zusammenhang zum Überlebenskampf Kubas. Henning Melber erörtert die durchaus nicht stressfreie Positionierung Südafrikas in der entstehenden multilateralen Welt. Die Beiträge von Marco Oberti und Dirk Ehnts sowie Bharti Chhibber und Thomas Briant analysieren die Rolle Deutschlands in der Weltwirtschaft beziehungsweise die Entwicklung der deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen.

Der Blick in den globalen Süden wird im historischen Teil des Heftes von Kathrin Chod mit der Erinnerung an die Ermordung von Patrice Lumumba vor 65 Jahren vertieft. Der französische Germanist und Kulturwissenschaftler Jean-Paul Barbe richtet den Blick auf die Rif-Republik, die vor hundert Jahren in Nordafrika sechs Jahre lang Spanien und Frankreich trotzte.

In seinem Gastkommentar erörtert Alexander Rahr die Rolle der Nato in der Weltpolitik und konstatiert ihr faktisches Ende. Neue Sicherheitsstrukturen würden an ihre Stelle treten.

Andrej N. Klepatsch, der ehemalige stellvertretende Wirtschaftsminister Russlands, analysiert die aktuelle Entwicklung der russischen Wirtschaft. Ein Thema das mit unterschiedlichen Intentionen zurzeit intensiv diskutiert wird.

Unter dem Stichwort „feministische Außenpolitik“ wurde in den letzten Jahren die Rolle von Frauen in der Außenpolitik breit diskutiert. Zuhal Yesilyurt Gündüz, Zehra Yilmaz undBurcu Sari Karademir haben hierzu in der Türkei ein Buch publiziert, das sie im Forum des Frühjahresheftes von WeltTrends vorstellen. Dabei spielt die Sorge um die Zurückdrängung der Geschlechtergleichstellung in ihrem Land aber auch weltweit eine große Rolle.

Informationen über interessante Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt runden das Themenspektrum des aktuellen Heftes von WeltTrends ab.

Inhalt und Probeartikel

Editorial + Inhaltsverzeichnis

WeltBlick
Iran – Wie weiter?
Mohssen Massarrat

Kuba im Überlebenskampf
Steffen Niese

Südafrika: Multilateralismus im Stresstest
Henning Melber

Brasilien und Mexiko: Eine Herausforderung für die Weltmächte?
Raina Zimmering

Deutschland und die EU in der Weltwirtschaft
Marco Oberti und Dirk Ehnts

Indien und Deutschland: Wirtschaftsdiplomatie und Konvergenz
Bharti Chhibber und Thomas Bryant

Gastkommentar
Das Ende der NATO
Alexander Rahr

Thema: Polen und Deutschland
Intro
Jürgen Angelow

Über Polens Weg in den Westen
Holger Polit

Von den Schatten der Vergangenheit zur europäischen Zukunft?
Stefan Garsztecki

Asymmetrische Verantwortungspartnerschaft
Krzysztof Ruchniewicz

Polen – Vorrang für Sicherheitspolitik
Krzysztof Pilawski

Deutsche Wiedergutmachung:
Individuelle Bewertung und politische Instrumentalisierung
Agnieszka Kudełka

Deutsch-Polnische Erinnerungskultur 67
Wolfram Meyer zu Uptrup

Deutsche und Polen im Spiegel gegenseitiger Wahrnehmung
Kornelia Golombek

Impressum

Forum
Feministische Außenpolitik: Realität in der Türkei
Zuhal Yesilyurt Gündüz, Zehra Yilmaz und Burcu Sari Karademir

Analyse
Russlands Wirtschaft im Jahr 2025
Andrej N. Klepatsch

Historie
Der Rif-Krieg 97
Jean-Paul Barbe

Die Ermordung von Patrice Lumumba 104
Kathrin Chod

BücherschauBRICS vs. regelbasierte Ordnung; Deutschland ohne Amerika; Rüstung um Europa zu führen; ZeitenWenden

Kommentar
Trumps Kriegstreiben
Erhard Crome

Bibliographische Angaben und Pressemitteilung

Jürgen Angelow, Erhard Crome, Kai Kleinwächter (Hrsg.)
WeltTrends 208
Polen und Deutschland
WeltTrends, Potsdam 2026
ISSN 0944-8101
ISBN 978-3-949887-44-4

128 Seiten

Pressemitteilung

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